27.3.2019

Mitarbeiter verlassen nicht ihr Unternehmen, sondern ihre Führungskraft

Von Maria Sibylla Kalverkämper
Geschäftsführerin

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Es gab eine Generation, für die war alles, was ein Chef gesagt hat, Gesetz. Sicherlich führte die ein oder andere Entscheidung zu Frust. Aber am Ende des Tages wurde die Kröte geschluckt und die Faust in der Tasche geballt. Chefs wurden beim Äußern ihrer Kritik auch schon mal laut. Wen es traf, der stand unter Druck, die Scharte auszuwetzen. Es gab Menschen, denen das schlaflose Nächte, Grübelgedanken und Albträume bereitet hat.

Dann kam eine Generation von Arbeitnehmern, die nachts von etwas anderem träumt – und ihre Träume tagsüber auch noch zu leben versucht. Und damit gar nicht so danebenliegt. Evolutionär. Wahrscheinlich braucht es heute, in einer Zeit disruptiver Veränderungen, diese Skills zum Überleben: das Erkennen der eigenen Bedürfnisse, Möglichkeiten und Grenzen.

Denn der Stress, den eine reglementierte Arbeitswelt mit sich bringt, die wenig Rücksicht auf die Belange des einzelnen Mitarbeiters legt und sie – bildlich gesprochen – in ein Denkgefängnis sperrt, führt nicht zu besseren Ergebnissen, dafür aber zu Frustration, Burn-Out, innerer Kündigung… und eines Tages dazu, dass Menschen Unternehmen verlassen.

Wenn man sie fragt warum, wirken sie oft erleichtert. Sie sagen, dass es kaum noch auszuhalten war und dann fallen auch schon Namen. Wie immer im Leben, gibt es bei solchen Fällen zwei Seiten, zwei Meinungen, zwei Perspektiven – und tausend Gründe.

Es gibt die Stinkstiefel, denen niemand nachtrauert. Es gibt aber auch die Über- oder Unterforderten, die Enttäuschten, die Übergangenen, die ewig Unzufriedenen. Und diejenigen, die auf der Suche nach dem Glück sind oder es schon gefunden haben – beruflich oder aber auch privat. Vor allem Letzteres freut uns als Familienunternehmer meist, auch wenn es uns betriebsorganisatorisch immer wieder vor Herausforderungen stellt.

In allen genannten Fällen spielen Führungskräfte eine Schlüsselrolle. Früher vermittelte man ihnen in Management-Coachings, sie müssten Grenzen setzen und die Auslinien des Spielfeldes bestimmen. Heute müssen sie das Spielfeld eröffnen! Sie sind gefordert: als Ermöglicher, als Instanzen, die Vertrauen geben – aber auch als Mentoren, Coaches, Ratgeber und, wenn es sein muss, auch als Ausputzer und kreative Lösungsbringer.

Diese neue Art des Führens ist anstrengend und bringt viele Führungskräfte an ihre Grenzen. Jahrelang haben sie ihren Mitarbeitern gepredigt, sie sollen endlich erwachsen werden. Jetzt sind sie es. Jetzt haben sie den Salat. Mehr denn je sind sie gefordert, proaktiv hinzuschauen, was ihre Mitarbeiter brauchen, um einen guten Job machen zu können.

Leider gibt es Führungskräfte, die mit Blick auf ihr Rollenverständnis noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt haben. Gerade dort, wo der moralische Kompass fehlt, weil keine greifbaren Werte gelebt werden, ist Willkür in der Führung Tür und Tor geöffnet. Zumindest sehen es Mitarbeiter so. Und suchen ihr Glück bisweilen woanders. Wer will es ihnen verdenken, in einer Zeit, in der es Alternativen auf dem Arbeitsmarkt gibt.

Am Ende ist Führung stets eine Angelegenheit zwischen Menschen. Es geht um Vertrauen. Um die Basis des Miteinanders. Wer als Mitarbeiter kündigt, gibt dazu ein Statement ab.

Präsentation: Warum die Schaffung einer Arbeitgebermarke Sinn macht

 

Themen: Employer Branding, Leadership Branding, Interne Kommunikation