27.2.2020

Obst oder Nuss: Warum Imagefilm nicht gleich Unternehmensfilm ist

Von Roland Fechter
Projektentwicklung Film

Obst oder Nuss: Warum Imagefilm nicht gleich Unternehmensfilm ist

Was unterscheidet eigentlich einen Imagefilm von einem Unternehmensfilm? Nun, beginnen wir vielleicht etwas anders: Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Sie lesen in einem von Ihnen bis dato nicht besuchten Restaurant aufmerksam und voller Vorfreude die Speisekarte mehrfach auf und ab, bis endlich die Entscheidung steht? Daraufhin wählen Sie ein besonders schmackhaft scheinendes Gericht, malen sich vor dem geistigen Auge schon exakt Anmutung, Geruch und Geschmack der georderten Köstlichkeit aus und erhalten nach angemessener Wartezeit: etwas ganz anderes, als erwartet?!

Wie bitte?

Auf Nachfrage stellt sich dann heraus, dass es hier ein Problem der begrifflichen Definition gab, sprich: Sie haben sich unter dem wohlklingenden Namen des Gerichts etwas ganz anderes vorgestellt als der Koch.

Gerade in fremdsprachigen Restaurants oder im Ausland wird man hin und wieder Opfer dieses Umstandes, oder z.B. auch in sehr exklusiven Etablissements mit exotisch anmutenden Bezeichnungen der Speisen.

Wenn verschiedenen Erwartungshaltungen an dem gleichen Begriff aufeinandertreffen, kann es also schon mal zu Missverständnissen kommen. Solange man das Gericht dann zurückgeben, mit dem Partner tauschen oder ein anderes bestellen kann: prima.

Es gibt aber auch Fälle, da ist dies nicht so einfach.

„Marketing-Speech“ beispielsweise ist ja zuweilen auch so ein exklusives Etablissement.

Imagefilm? Unternehmensfilm?

Nehmen wir doch den Begriff „Imagefilm“.

Hier hat jeder sofort ein ganz klares Bild vor Augen, um was es geht und um welches Medium es sich handelt. Tatsächlich ist dieses Bild aber bei Weitem nicht immer gleich.

So ist es durchaus schon vorgekommen, dass ein Unternehmen einen „Imagefilm“ bei Agentur XY angefragt hat, dabei aber (in der Definition der Agentur) eigentlich einen „Unternehmensfilm“ (oder vielleicht auch: „Portfoliofilm“) haben wollte.

Und dies sind unter Umständen gänzlich andere Produkte!

Beispielsweise wird unter „Unternehmensfilm“ oft ein klassischer Film zur Visualisierung des eigenen Portfolios verstanden. Will meinen: eine klassische Leistungsschau.

Exemplarisch:

„Wir produzieren X an Y Standorten mit Z Maschinen. Alle Mitarbeiter haben Freude daran und all dies geschieht mit Fokus auf den Kunden“- so ein typischer Inhalt.

Zusätzlich kommen dann häufig noch Faktoren wie Umweltschutz, Logistik, Produktionsketten, Fertigungsgüte sowie Qualität, etc. in einem solchen Film zum Tragen.

Bevor sich nun jemand auf dem falschen Fuß erwischt fühlt und fragt, was daran schlecht sein soll:

Gar nichts! Diese Art von Film ist nicht pauschal gut oder schlecht. Er benötigt aber eben, wie jedes Medium, die passende Bühne, um gezielt und korrekt wirken zu können.

Möchte ich mein Unternehmen initial vorstellen und in einem technologisch stark umkämpften und von Innovationen getriebenen Markt mit meinen besonderen Leistungen aus der Konkurrenz hervorstechen, ist dies sicher ein guter und richtiger Weg. Hier geht es dann also um das „Was?“ und „Wie?“.

Von Purpose, Marke und Selbstbild

Bin ich hingegen bereits am Markt bekannt, meine Technologien ausgereift und etabliert und bei meinen Kunden hinlänglich präsent, so würde man sich vielleicht eher dem „Warum?“ (Neudeutsch spricht man hier ja seit einiger Zeit von „Purpose“.) widmen. Also: einen in der Sprache vieler Agenturen „klassischen“ Imagefilm bevorzugen. Gerade, wenn ich z.B. meine Marke neu ausrichte, technologisch aber „alles beim Alten“ bleibt, ist dies oft der gewünschte Ansatz.

Der Unterschied liegt hier darin, dass diese Art Imagefilm mehr als Ausdruck des Selbstbildes, Spiegel der Marke und Fenster in die Seele eines Unternehmens verstanden werden sollte. Er ist der unangefochtene Star jeder Außendarstellung und die umsetzerische Königsdisziplin für Unternehmen.

Dabei müssen hier nicht einmal das Unternehmen, die Mitarbeiter oder die Produkte zu sehen sein! Es geht hier mehr um den Spirit, das Gefühl, welches ein Unternehmen und seine Marke hinterlassen. Etwas, das den Geist einer Firma spürbar macht, Sinn und Zweck im Zuge der Vision vermittelt und nach Außen strahlen lässt.

Man spricht hier also von 2 grundsätzlich verschiedenen Ansätzen, die dennoch immer wieder als gegenseitiges Synonym verwendet werden. Das ist jetzt weder falsch noch immer richtig. Es ist am Ende immer eine Frage der Zielgruppe und der Aussage, was im Film zu sehen sein wird. Denn darauf kommt es an! Der jeweilige Begriff ist eben stets nur ein Wort, eine Vokabel. Aber: eine, deren Bedeutung im Vorfeld zwischen den Akteuren klar definiert sein sollte.

Denn die Erdbeere ist zwar bekanntermaßen auch kein Obst, sondern genau genommen eine Nuss (ganz exakt: „Sammelnussfrucht“), trotzdem würden Sie nicht schlecht staunen, wenn Sie an der Bar zum Drink ein paar Nüsschen bestellen und dann frische Erdbeeren vorgesetzt bekommen.

Das gemeinsame Ziel

Man sollte also nicht zwingend darauf vertrauen, dass durch das Dickicht des Marketingvokabel-Dschungels jeder stets die gleiche Route zum Ziel wählt.

Besser zwischendurch mal gegenseitig nach dem Weg fragen und klare Treffpunkte vereinbaren. So kommen dann auch alle gemeinsam an dasselbe Ziel und wissen schon zu Beginn des Weges, wohin dieser führt.

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Themen: Film, Marke