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Neupositionierung einer Marke: Klarer aufstellen & gezielt wachsen

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Neupositionierung einer Marke: Klarer aufstellen & gezielt wachsen

Märkte verändern sich schneller als je zuvor. Neue Wettbewerber entstehen, Geschäftsmodelle verschieben sich, Zielgruppen werden anspruchsvoller und vergleichbarer. Was dabei häufig hinterherhinkt, ist die Marke.

Gerade in Familienunternehmen ist sie oft über Jahrzehnte gewachsen. Und eng mit der Gründerpersönlichkeit, mit Werten, Haltung und Historie verbunden. Das schafft Vertrauen und Stabilität. Gleichzeitig entsteht genau hier ein Spannungsfeld, wenn sich das Unternehmen weiterentwickelt, professionalisiert oder einen Generationswechsel durchläuft und die Marke diese Realität nicht mehr klar abbildet.

Viele Organisationen stehen heute vor derselben Situation: Das Unternehmen ist weiter als seine Marke. Die Folge ist eine wachsende Lücke zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung. Diese Lücke kostet Sichtbarkeit, Relevanz und langfristig Wettbewerbsfähigkeit.

Genau hier setzt die Neupositionierung einer Marke an. Sie schafft Klarheit darüber, wofür ein Unternehmen heute steht, welche Zielgruppen angesprochen werden sollen und wie eine tragfähige Marktposition für die Zukunft aussieht.

Inhaltsverzeichnis

 

Das Wichtigste in Kürze


  • Die Neupositionierung einer Marke ist ein strategischer Prozess, kein Kommunikations- oder Designprojekt.
  • Sie wird notwendig, wenn sich Markt, Zielgruppen, Wettbewerb oder Unternehmensrealität verändern.
  • Grundlage ist eine fundierte Positionierungsanalyse mit Blick auf Markt, Zielgruppen und Markenwahrnehmung.
  • Ziel ist eine differenzierende Markenstrategie, die intern Orientierung und extern Relevanz schafft – besonders für Familienunternehmen im Mittelstand.

Was ist eine Neupositionierung einer Marke?

Die Neupositionierung einer Marke beschreibt den gezielten strategischen Prozess, mit dem Unternehmen ihre Marktposition neu definieren. Ziel ist es, die bestehende Wahrnehmung im Markt bewusst zu verändern oder zu schärfen.

Im Kern beantwortet die Neupositionierung drei Fragen:
Wofür steht das Unternehmen heute wirklich? Welche Zielgruppen sollen künftig im Fokus stehen? Und wodurch unterscheidet sich die Marke klar und relevant vom Wettbewerb?


Gerade Familienunternehmen stehen hier vor einer besonderen Herausforderung. Marke, Geschichte und persönliche Identität sind oft eng miteinander verwoben. Eine Neupositionierung bedeutet deshalb nicht, Traditionen zu verwerfen, sondern sie neu zu ordnen und in einen zukunftsfähigen Kontext zu setzen.

Wichtig ist die Abgrenzung zu verwandten Maßnahmen. Ein Rebranding verändert vor allem visuelle Elemente. Ein Relaunch markiert häufig einen kommunikativen Neustart. Beides kann Teil einer Neupositionierung sein, ersetzt sie aber nicht. Wer über ein Rebranding nachdenkt, sollte Rebranding ganzheitlich betrachten und die strategische Ebene vor Gestaltung und Kommunikation stellen.


Marke neu positionieren: Wann und warum es notwendig wird

Eine Marke verliert ihre Wirkung selten abrupt. Meist geschieht das schleichend. Unternehmen wachsen, entwickeln neue Produkte oder erschließen neue Märkte. Die Produktpositionierung verändert sich, die Marke bleibt jedoch auf einem früheren Stand.

Typische Auslöser sind veränderte Markt- und Wettbewerbsbedingungen, neue Zielgruppen, Digitalisierung, neue Kommunikationskanäle oder ein Generationenwechsel im Familienunternehmen. Warnsignale zeigen sich früh: Die Marke wird schwer erklärbar. Die Sichtbarkeit im Markt nimmt ab. Marketing und Vertrieb kommunizieren unterschiedlich, kaum miteinander oder gar nicht. Differenzierung findet fast ausschließlich über Preis oder Leistung statt.

Unternehmen, die ihre Marke neu positionieren, verfolgen klare strategische Ziele. Sie wollen Fokus schaffen, Relevanz erhöhen und ihre Marktposition langfristig sichern. Voraussetzung dafür ist eine belastbare Markenstrategie sowie eine klare Markenpositionierung, die intern Orientierung gibt und extern Differenzierung ermöglicht.


Neupositionierung strategisch vorbereiten: Analyse, Zielgruppen und Differenzierung

Eine erfolgreiche Neupositionierung beginnt mit einer fundierten Positionierungsanalyse. Sie ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für belastbare Entscheidungen.

Selbstbild und Fremdbild sauber trennen

Gerade in Familienunternehmen klaffen Selbstbild und Fremdbild häufig auseinander. Intern ist klar, wofür das Unternehmen steht. Extern kommt davon oft nur ein Bruchteil an. Diese Diskrepanz bleibt lange unbemerkt, weil wirtschaftlicher Erfolg sie überdeckt.

Eine professionelle Analyse macht diese Unterschiede sichtbar. Sie zeigt, wo die Marke tatsächlich steht und wo sie aus strategischer Sicht stehen sollte.

Markt-, Wettbewerbs- und Zielgruppenanalyse

Neben dem Blick nach innen ist der Blick nach außen entscheidend. Die Markt- und Wettbewerbsanalyse zeigt, wo Austauschbarkeit entsteht und wo echte Differenzierung möglich ist. Die Zielgruppenanalyse und Zielgruppenforschung klärt, welche Zielkunden wirklich relevant sind, welche Erwartungen sie haben und wie sie Entscheidungen treffen.

Gerade hier verlassen sich viele Unternehmen zu lange auf ihr Bauchgefühl. Eine Neupositionierung zwingt dazu, Annahmen zu überprüfen und Prioritäten neu zu setzen.

Differenzierung bewusst entscheiden

Differenzierung entsteht selten allein über Produkte oder Leistungen. In vielen Märkten liegen die entscheidenden Unterschiede in Haltung, Nutzenversprechen und Klarheit. Aus der Analyse wird deshalb eine klare Positionierungsstrategie abgeleitet, die bewusst festlegt, wofür die Marke stehen soll und wofür nicht.


Neupositionierung einer Marke: Von der Strategie zur Umsetzung

Eine starke Positionierung entfaltet ihre Wirkung erst dann, wenn sie konsequent umgesetzt wird. Genau hier scheitern viele Neupositionierungen.

Von der Positionierung zur gelebten Marke

Die neue Positionierung muss in alle relevanten Bereiche übersetzt werden:

  • in Führung und Entscheidungslogiken
  • in Kommunikation und Tonalität
  • in Vertrieb und Kundenansprache
  • in interne Kommunikation und Unternehmenskultur

Zentrale Bestandteile sind ein klares Nutzenversprechen, definierte Markenwerte und eine stringente Kommunikationsstrategie. In der Umsetzung zeigt sich die Qualität der Neupositionierung vor allem in der Markenkommunikation, im Design und der Brand Identity sowie in der konsistenten Nutzung relevanter Kommunikationskanäle.

Gerade in Familienunternehmen ist dieser Schritt entscheidend. Nur wenn die Positionierung im Alltag erlebbar wird, entsteht Glaubwürdigkeit.


Marke neu positionieren: Erfolgshebel und häufige Stolpersteine

Erfolgshebel

  1. klarer strategischer Fokus

  2. aktive Einbindung der Geschäftsführung
  3. langfristige Perspektive statt kurzfristiger Kampagnen

Häufige Stolpersteine

  • fehlende oder oberflächliche Analyse
  • zu breite Positionierung ohne klare Differenzierung
  • inkonsequente Umsetzung im Alltag

Klar definierte Markenwerte sowie eine konsequente Markenführung sorgen dafür, dass die neue Positionierung nachhaltig im Unternehmen verankert wird.


Neupositionierung einer Marke: Beispiel aus der Praxis

Ein anschauliches Beispiel aus unserer Arbeit zeigt die strategische Neupositionierung der Marke ADA des traditionsreichen, familiengeführten Möbelherstellers aus Österreich.

Ausgangslage: Die ADA-Möbelwerke gehören zu den führenden Herstellern von Polstermöbeln, Betten und Matratzen in Europa. Trotz guter Produkte und handwerklicher Qualität war die Marke, vor allem im deutschen Markt, vergleichsweise unbekannt. Weil sie sich historisch stark am Fachhandel orientierte und weniger am Endkunden. Gleichzeitig wuchs der Wettbewerbsdruck, Kaufzurückhaltung nahm zu und die bisherigen Zielgruppen – insbesondere Best-Ager – veränderten ihr Einrichtungsverhalten. Die Unternehmensführung war sich unsicher, wo die Marke künftig ihren Platz einnehmen sollte. Es bestand eine gewachsene Markenarchitektur mit Sub-Brands für verschiedene Segmente, die jedoch nicht zu einer klaren, relevanten Gesamtmarke führte.

Vorgehen: Gemeinsam wurde eine umfassende Analyse durchgeführt, inklusive Zielgruppenanalyse, Wettbewerbsumfeld und interner Wahrnehmung. Es zeigte sich, dass die bisherige Segmentierung die Marke fragmentierte und keine klare Identität für Endkunden schuf. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde die Entscheidung getroffen, die Sub-Brands zugunsten einer Ein-Markenstrategie „ADA“ zu bündeln. Zugleich wurde ein gesellschaftlicher Trend aufgegriffen: Slow Living, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit im Wohnkontext. Daraus entstand der neue Leitgedanke „ADA Mindful Living“, der die Marke neu positionierte, indem er Nachhaltigkeit, Entschleunigung und österreichische Lebensart als zentrale Differenzierungsfaktoren betonte. Die Positionierung wurde durch Befragungen der Führungsebene und Mitarbeitenden validiert und anschließend entlang aller relevanten Markenbausteine ausgerollt. Vom Markenversprechen über Claims bis zur visuellen Identität.

Ergebnis: Die Neupositionierung führte zu einem konsistenten Markenbild, das klar differenziert ist und eine starke Relevanz für definierte Zielgruppen schafft: Menschen, die ihren Alltag achtsam und bewusst gestalten wollen. Durch den Fokus auf „Mindful Living“ wurde die Marke ADA nicht nur verständlicher und einprägsamer, sondern auch emotional relevanter. Interne wie externe Wahrnehmung rückten näher zusammen, und ADA als «One Brand» konnte im Wettbewerbsumfeld stärker sichtbar und einprägsamer auftreten.

Zentrale Learnings: Eine Neupositionierung muss Ausgangslage und Markttrends ernst nehmen. Analyse vor Gestaltung und ein klarer Fokus – hier durch eine Ein-Markenstrategie und einen zeitgemäßen Leitgedanken – sind entscheidend. Familienunternehmen profitieren besonders, wenn sie ihre Werte in eine zeitgemäße Marktposition übersetzen, statt allein an historischen Mustern festzuhalten.

Mehr Infos zum ADA-Praxisbeispiel gefällig?

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Die Neupositionierung einer Marke schafft Klarheit und Relevanz

Die Neupositionierung einer Marke ist ein strategisches Führungsinstrument, mit dem Unternehmen ihre Rolle im Markt bewusst definieren und langfristig absichern. Gerade für Familienunternehmen schafft sie eine verbindende Klammer zwischen Identität, Werten und zukünftiger Ausrichtung. Und damit Orientierung für Geschäftsführung, Führungskräfte und Mitarbeitende.

Richtig umgesetzt sorgt die Neupositionierung für mehr Klarheit nach innen und höhere Relevanz nach außen. Sie schärft das Profil der Marke, macht Leistungen verständlicher und reduziert Austauschbarkeit im Wettbewerb. Statt über Einzelargumente zu differenzieren, entsteht ein konsistentes Gesamtbild, das Markenwahrnehmung und unternehmerische Realität wieder zusammenführt.

Der strukturierte Aufwand, den eine Neupositionierung erfordert, lohnt sich langfristig. Unternehmen gewinnen Fokus, vermeiden strategische Beliebigkeit und schaffen eine belastbare Grundlage für Wachstum, Transformation und Generationswechsel. Eine klar positionierte Marke erleichtert Entscheidungen, beschleunigt Kommunikation und erhöht die Wirksamkeit aller Maßnahmen: Vom Vertrieb bis zur internen Führung.

Eine erfolgreiche Neupositionierung braucht Analyse, klare Entscheidungen und eine konsequente Umsetzung. Als Agentur begleiten wir Unternehmen genau in diesem Prozess: Wir helfen Perspektiven zu ordnen, strategische Klarheit zu schaffen und Marken so aufzustellen, dass sie langfristig wirken.


FAQ: Häufige Fragen zur Neupositionierung einer Marke

1.  Was versteht man unter einer Neupositionierung einer Marke?

Eine Neupositionierung ist ein strategischer Prozess, mit dem Unternehmen ihre Marktposition bewusst neu definieren. Ziel ist es, die Wahrnehmung im Markt zu verändern oder zu schärfen – nicht nur das Design oder die Kommunikation.

2. Worin unterscheidet sich eine Neupositionierung von einem Rebranding?

Ein Rebranding verändert primär visuelle Elemente. Eine Neupositionierung setzt strategisch tiefer an: Sie definiert Zielgruppen, Differenzierung, Nutzenversprechen und Marktrolle neu. Gestaltung kann Teil davon sein – ersetzt sie aber nicht.

3. Wann sollte ein Unternehmen seine Marke neu positionieren?

Wenn sich Markt, Zielgruppen, Wettbewerb oder Unternehmensrealität verändern – etwa durch Wachstum, Digitalisierung oder einen Generationswechsel – und die Marke diese Entwicklung nicht mehr klar abbildet.

4. Wie bereitet man eine Neupositionierung strategisch vor?

Durch eine fundierte Positionierungsanalyse, die Markt, Wettbewerb, Zielgruppen und Markenwahrnehmung systematisch untersucht. Analyse und strategische Entscheidung werden dabei bewusst getrennt.

5. Wie lange dauert eine Neupositionierung einer Marke?

Sie ist ein strategischer Prozess, der Analyse, Entscheidungsphase und Umsetzung umfasst. Der konkrete Zeitraum hängt von Komplexität und Organisationsgröße ab.

6. Wer sollte in eine Neupositionierung eingebunden werden?

Geschäftsführung, Führungskräfte, Marketing, Vertrieb und relevante interne Stakeholder. Ohne Management-Verankerung bleibt sie oberflächlich.

7.  Ist eine Neupositionierung auch ohne komplettes Rebranding möglich?

Ja. Wenn die strategische Klarheit stimmt, kann die Umsetzung schrittweise erfolgen. Design ist Folge, nicht Ausgangspunkt.

 

GEDANKENAUSTAUSCH MIT MARIA SIBYLLA KALVERKÄMPER

 

Gender-Disclaimer:

Vielfalt first: Jede Person ist einzigartig. Wir schreiben kurz, klar und bunt – weil’s ums Wesentliche geht. Die maskuline Form dient der Lesbarkeit und ist keine Bewertung. Es lebe der Unterschied!

 

Maria Sibylla Kalverkämper

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