21.11.2017

New Work: Gefühlt geht’s besser!

Von Frank Kaulen
Leiter Strategie

 

New Work: Gefühlt geht's besser!

Als der austro-amerikanische Sozialphilosoph Frithjof Bergmann vor mehr als 30 Jahren das Konzept „New Work – neue Arbeit“ entwickelte, bot er eine potenzielle Lösung zu dem drängenden Problem einer drohenden Erwerbslosigkeit nach dem Ende des Job-Systems an. Bei seinen Forschungen untersuchte er den Freiheitsbegriff im herrschenden Lohnarbeitssystem. Und formulierte daraus die sozialpsychologisch berechtigte Forderung nach mehr Freiheit zur Entfaltung des menschlichen Potenzials.

Bergman verglich bei seinen Studien den Menschen im Lohnarbeitssystem mit einem eingesperrten Tiger im Zoo. Der Tiger verfügt zwar über eine unglaubliche Kraft, aber nach Jahren im Käfig überschreitet er dessen Grenzen nicht mehr – selbst, wenn man ihm den Käfig wegnimmt. Der Tiger hat die bloße Vorstellung eines Lebens außerhalb seines Käfigs verloren.

Freiheit

Menschen brauchen zur Entwicklung ihrer vollen Leistungsfreude vor allem Freiheitsgrade. Dabei versteht die Sozialpsychologie „Freiheit“ als Möglichkeit der Kontrolle über die eigene Umwelt. Menschen streben danach, diese nach den eigenen persönlichen Vorstellungen wirksam zu gestalten. Wird ihnen diese Freiheit genommen, verkümmern sie. Sinnbildlich sitzen sie im Bergmannschen Käfig und finden nicht ohne weiteres wieder in ihre Leistungsspur zurück. Um ihre Gestaltungsfreude wieder zu erwecken, bedarf es in der Regel selbstreflektierender Maßnahmen der Personalentwicklung. Dies gilt für Mitarbeiter und Führungskräfte gleichermaßen. Aus diesem Grund ist NW nicht nur eine Bewegung zur Befreiung der „Tiger“, sondern vor allem ein ermutigender Aufruf zum Entfalten der menschlichen Potenziale.

Doch was kann mit der Umsetzung von NW-Konzepten überhaupt erreicht werden? Auf der einen Seite streben Unternehmen (in Zeiten der vierten industriellen Revolution und des Fachkräftemangels) nach einer hohen Arbeitgeberattraktivität, um Spitzenkräfte und qualifizierte Arbeitskräfte für sich zu gewinnen. Auf der anderen Seite steht die Intention der Unternehmen, Mitarbeiter nachhaltig an sich zu binden bzw. deren Zufriedenheit, Engagement, Leistung und Gesundheit zu steigern. Und das alles soll NW leisten?

Woran es aktuell noch krankt

Ein Blick auf den NW-Puls-Check 2017 der Personalberatung Kienbaum zeigt, woran „New Work“ in der Praxis aktuell noch krankt. Nur jeder fünfte Chef führt auf Augenhöhe (19 Prozent). Nur jedes vierte Unternehmen etabliert Initiativen, die einen Kulturwechsel herbeiführen sollen. Und nur jede dritte Firma führt flachere Hierarchien ein. Einen mehrheitlichen Durchbruch gibt es lediglich bei dem Thema Home-Office (70 Prozent) und dem Einsatz mobiler Technologien (61 Prozent).

Eine These:

Wenn New Work eine attraktive Arbeitgebermarke erzeugen soll, die darüber hinaus zufriedene, engagierte, leistungsbereite und gesunde Mitarbeiter entwickelt und bindet, müssen Unternehmen lernen, ihre Mitarbeiter wirklich glücklich zu machen.

Was macht Menschen glücklich?

Doch was macht Menschen so glücklich, dass sie sich bewusst für ein Unternehmen entscheiden? Wie bleiben sie bei ihrer Arbeit engagiert und entfalten dauerhaft ihre Potenziale? Die Positive Psychologie und die moderne Neurobiologie haben in den vergangenen Jahren wichtige Erkenntnisse zur Beantwortung dieser Frage gewonnen. Glück ist, wenn die Chemie stimmt! So einfach ist das. Durch die Ausschüttung bestimmter neurobiologischer Botenstoffe im Gehirn empfinden Menschen Glück, Begeisterung, Leistungsfreude oder Zufriedenheit. Positive Emotionen also, unter denen sich trefflich bessere Leistungen abrufen lassen. Aufgabe wäre es demnach also auch, die kulturellen Werte eines Unternehmens, die Rahmenbedingungen der Arbeit sowie das Verhalten und die Kommunikation aller Beteiligten so zu verändern und zu entwickeln, dass Menschen dauerhaft positive Emotionen empfinden können.

Leichter gesagt als getan. Wir wissen heute, dass positive Emotionen bei Menschen durch ganz unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Wie durch das Erleben von Gemeinschaft und Zugehörigkeit, durch die wirksame Kontrolle ihrer Umwelt oder durch eine empfundene Wertschätzung und Achtsamkeit. Aber auch durch die erlebte Sinnerfüllung im Kleinen und im Großen, durch erlebtes und geschenktes Vertrauen sowie durch persönliche Kommunikation. Um also positiv emotionale Mitarbeiter zu beschäftigen, müssten Unternehmen, abseits des Effizienzdenkens, emotionale Erlebnisse als neue Messlatte ihrer organisatorischen Entscheidungen anlegen.

Ist es diesbezüglich mit dem Einsatz der omnipräsent diskutierten NW-Instrumente von Individualität, Führung, Agilität, Flexibilität und Bürokonzepten getan? Ein klares Nein! Das WIE spielt für den Erfolg eine entscheidende Rolle. Erst die Kombination von positiven Emotionen und den geeigneten Instrumenten verspricht New Work zu einem echten Erfolgsrezept zu machen.

Gratis-Download: Employer-Branding-Präsentation

 

Themen: Employer Branding