Gen Z vs. Boomer: Generationenmix – was nun? Alterskonflikt – was tun?

Ruth Schulz-Wiemann

Von Ruth Schulz-Wiemann
Assistenz der Geschäftsführung

Puh – da trifft gerade was aufeinander in Unternehmen. Gleich vier Generationen sind am Start. Die Sprache ist von den sogenannten Babyboomern, von der Generation X, Generation Y sowie Generation Z und naja, die vermeintlich „Letzte Generation“ gibt’s ja auch noch. Kennen Sie alles. Regt auch irgendwie auf. Am besten gleich abwinken demjenigen, der damit schon wieder um die Ecke kommt. 

Denn – wenn man mal ehrlich ist - das war doch immer schon Thema. Es gab doch auch früher unterschiedliche Altersgruppen auf dem Arbeitsmarkt, Ältere und Jüngere, Erfahrene und Neulinge in Betrieben, die zusammengearbeitet haben. Warum wird da jetzt plötzlich so ein Riesen-Hype drum gemacht, fragt sich so manch einer. Was, verdammt, ändert sich denn noch alles und warum muss ich mich als Unternehmer:in jetzt auch mit dem Thema Generationenmanagement herumschlagen?! 

Sie haben recht. Das war tatsächlich immer so. Nur – jetzt wird’s krasser, denn zum einen scheiden die Angehörigen der Babyboomer nun alle auf einmal aus dem Arbeitsmarkt aus und mit ihnen gehen Wissen und jahrelange Erfahrung. Und zum anderen – als Folge des demographischen Wandels – treffen nun nicht mehr wie früher einfach nur Alt und Jung zusammen, sondern es tummelt sich bald eine wild unstrukturierte Schar von unterschiedlich geprägten Menschen der verschiedensten Altersgruppen auf dem Arbeitsmarkt. Generationenvielfalt nennt man das und die, die sich unter diesem schönen Oberbegriff versammeln…ticken alle völlig unterschiedlich. 

Was das konkret heißt? – Dass sich die Merkmale der Arbeitswelt komplett verschoben haben. Nichts ist mehr wie früher mit Vorgesetzten und Untergebenen, mit Chefs, die das Sagen hatten und Mitarbeitenden, die artig taten, was getan werden musste. Das war zwar unschön, aber doch alles noch irgendwie einfach. Jetzt aber treffen Menschen der Gen Z, Millennials und Boomer aufeinander, die grundverschieden erzogen wurden, die höchst divergente Erwartungen und Ziele haben, die ihre Umwelt und ihr Arbeitsumfeld ungleich wahrnehmen – die völlig gegensätzliche Ansprüche an ihr Leben und ihren Arbeitsplatz stellen.

Ein Hoch auf die Diversität! – und das Generationenmanagement!

Aber wie? Denn, wenn jetzt die ausscheidenden Babyboomer aus den Geburten-Jahrgängen 1955 – 1969, die unter hierarchischen Unternehmensstrukturen gearbeitet haben und Kummer gewohnt waren, den Millennials begegnen bzw. der fordernden Generation Z, die größtenteils antiautoritär und von Kindesbeinen an im digitalen Umfeld aufwuchs, dann sind Generationenkonflikte am Arbeitsplatz vorprogrammiert.

Ein Rückblick – wie war das früher noch gleich? 

Unternehmenskultur und Menschenführung – konnten doch damals die wenigsten in den oberen Etagen, schließlich lag der Fokus auf Zahlen und Produkten und den Mitarbeitern (damals wurd‘ noch nicht gegendert!) kam’s drauf an, dass sie am Ende des Monats ihr Gehalt auf dem Konto hatten oder etwa nicht?! Sie waren ehrgeizig, fleißig und bereit, jede Menge Überstunden auf sich zu nehmen im guten Glauben, dass das normal war, wenn man was werden wollte.  

Damals mussten Beschäftigte in Unternehmen vieles ertragen, sich oft machthaberischen, zu Unrecht betitelten Führungskräften beugen und sinnlose, unbequeme Sachverhalte besser schlucken als sie auszusprechen, denn das hätte schnell mal den Verlust des Jobs bedeutet. Was ich sagen will: Angstkultur regierte in Unternehmen; es gab nicht nur besserwissende Chefs, sondern auch schlimme Chefsekretärinnen. Unterwürfigkeit, Resignation und gemeinschaftliche Ohnmacht in mittleren und unteren Ebenen kennen viele der älteren Generation; auch Ellbogenmentalität und den Wettbewerb um die Gunst des Vorgesetzten. Es gab Bücher über „Nieten in Nadelstreifen“, zu denen ich als Angehörige dieser Generation irgendwann die Fortsetzung schreiben werde. Wenn Sie mich fragen: SCHRECKLICH! 

Doch natürlich gab es neben dem täglichen Hamsterrad, Streben nach Macht, Geld und persönlichem Status auch wunderbare Werte wie z.B. Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft unter Kolleginnen und Kollegen, Respekt vor dem Gegenüber, Disziplin und Loyalität – man haute einfach nicht sofort in den Sack, wenn man auf der Stelle trat oder andere Vorstellungen hatte. Wir waren ambitioniert und machten einfach, ohne alles tot diskutieren zu müssen. Und natürlich gab’s neben Flurfunk und Aktennotizen auch Spaß und Betriebsfeiern, die die Menschen einmal im Jahr wirklich zusammenbrachten, die für Vieles entschädigten und eine Zeit lang alles wieder besser aussehen ließen.

Und heute – was ist so grundsätzlich anders? Alle Generationen unter einem Hut 

Heute ist die Arbeitswelt unübersehbar mittendrin – im Wandel. Wir haben umgestellt von analog auf digital, Unternehmen befinden sich im Change bzw. in der Transformation. Nicht das Was oder Wie in Organisationen ist wichtig, sondern das Warum! Die Sinnhaftigkeit von Unternehmen spielt heute die größte Rolle und die von Jobs – wer hätte das jemals gedacht! Doch die größte Veränderung: Damals mussten wir uns der Arbeitswelt bzw. unserem Arbeitgeber anpassen. Heute scheint der Spieß genau umgedreht. Junge Bewerber:innen machen die Ansage. Müssen sich Arbeitgeber nun den Erwartungen der Generation Z anpassen, wollen sie überhaupt Mitarbeitende finden und binden? 

Denn Angehörige der Gen Z wissen genau, was sie wollen und verfolgen ihre Ziele, aber nicht um jeden Preis, sondern sehr viel selbstbewusster. Das heißt, sie nehmen nicht mehr einfach alles hin, insbesondere nicht mehr diese Top-Down-Strukturen von früher. Menschen der Generation Z sind anspruchsvolle Charaktere, definieren sich durch ihre starke Präsenz in den sozialen Netzwerken; sie sind vorwiegend digital auf eigenen Media-Kanälen unterwegs und lassen sich nicht davon abhalten, mitzuentscheiden, fokussieren selbstbestimmtes Leben und mobiles Arbeiten, freie Arbeitsplatzgestaltung, ihr Recht auf Individualismus, Eigenverantwortlichkeit und Freiheit - sind einfach nicht mehr so angepasst wie früher - Technoholics versus Workoholics! Nachzulesen übrigens auch in unserer Umfrage zum Thema Generation Z:

Umfrage "Gen Z"

Also heißt die Antwort: Ja, Unternehmer:innen müssen sich Bewerber:innen bzw. jungen Talenten anpassen, oder? – Sagen wir lieber so: Wer auch zukünftig als attraktiver Arbeitgeber gelten will, der muss ein vernünftiges Generationenmanagement betreiben. Und erkennen, dass es besser ist, Mitarbeitende mehr von der Leine zu lassen, anstatt sie wie früher an die Kandarre zu nehmen, will man ihre Loyalität zum Unternehmen und wirtschaftlichen Erfolg erreichen.  

Das Wichtigste in der Zusammenführung von Jung und Alt aber ist, Klischees abzubauen, mit denen sich die Generationen auf dem Arbeitsmarkt das Zusammenleben oftmals schwer machen.  

Während Boomer und Angehörige anderer Generationen etwa den Jüngeren vorwerfen, dass sie den ganzen Tag nur auf ihre Handys starren, im Netz herumchatten und eigentlich doch gar nicht mehr wirklich arbeiten möchten, alles haben, aber nichts dafür tun wollen, verspottet die Generation Z ihren Counterpart als Silver Surfer, die nicht mit Technik und der digitalen Welt umgehen können, die langsam im Kopf, total von gestern und immer noch Old school-Besserwisser sind – OK, Boomer eben! 

Doch wie schön wäre es eigentlich, jahrelange Erfahrung und wertvolles Praxiswissen, das mit dem Ausstieg der Babyboomer komplett verloren zu gehen droht, mit dem frischen Wind und der Agilität der Jugend zu verbinden? Aus dem Generationenmix jede Menge Potenzial zu schöpfen, aus Jung und Alt einen Erfahrungs- und Ideenpool zu nutzen, der von gemeinsamen Mehrwerten profitiert!

Barrieren abbauen: Babyboomer, Generation X, Generation Y und Generation Z zusammenführen

Der Generationenmix macht’s! hört man. Er ist absoluter Produktivitätstreiber, denn die Vereinigung generationenübergreifender Eigenschaften macht Unternehmen kraftvoll und verschafft ihnen Wettbewerbsvorteile. Aber nur, wenn Altersvielfalt als Unternehmenswert erkannt und Gleichgewicht erzeugt wird zwischen Jung und Alt. Und dazu muss es – wie in jeder Zusammenarbeit - ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein. Diese Kräfte zu vereinen, ist Chefsache von Unternehmensführung und Personaler:innen. Sie sind gefordert, als Bindeglied zwischen den Boomern, Generation X, Generation Y und Generation Z zu agieren und die unterschiedlichen Charaktere in ihrem Unternehmen auf Augenhöhe zusammenzubringen, eine persönliche Basis von gegenseitigem Respekt aufzubauen.  

Das bedeutet zunächst einmal, Schubladen-Denke abzuschaffen und verkrustete Strukturen aufzubrechen. Altersdiskriminierung muss ausziehen, Wertschätzung und Gleichberechtigung einziehen.  – Sollte das in unserem Zeitalter nicht lange schon Selbstverständlichkeit sein!? Was können Unternehmen denn nun konkret tun, um Menschen verschiedener Generationen tatsächlich zu vereinen, die Chancen der generation diversity zu erkennen und zu nutzen?  

Es erfordert Bereitschaft von beiden Seiten: Wenn verschiedene Generationen aufeinander zugehen, einander zuhören und mal einen Perspektivwechsel vornehmen, d.h. sich einfach mal den Hut des anderen aufsetzen, mehr Empathie, Achtung und Geduld walten lassen – dann sind wir schon mal per se ein Stück weiter. Nur durch Zusammenführung und Einbindung der Generationen – in Meetings, in Projekt-Teams, als wechselseitige Lehrer:in und Schüler:in in der praktischen Ausübung ihrer Jobs und in der Digitalisierung, werden Ältere und Jüngere allmählich zusammenwachsen, gemeinsam von Agilität und Wissenstransfer profitieren, sich gegenseitig vertrauen und menschlich näherrücken.  

Und das können Sie tun, um sich auf den Generationenwechsel vorzubereiten und Konfliktpotenzial entgegenzuwirken:

Tipps für das Generationenmanagement im Alltag 

  • Etablieren und leben Sie in Ihrem Unternehmen immer eine offene wertschätzende Arbeitskultur ohne Platz für Vorurteile, Klischees, alte Narrative und Diskriminierung.
  • Nehmen Sie sich Zeit für die Menschen in Ihrer Organisation und lassen Sie sie selbst in intergenerativen Teams die Stärken der jeweils anderen Generation spüren.
  • Fördern Sie den Austausch zwischen den Generationen durch Bildung von Account- oder Tandem-Teams, in denen sich Ältere als Experten, Vorbilder und Anker für Jüngere erweisen und junge Talente mit starker Digital-Expertise Ältere für die moderne Arbeitswelt begeistern.
  • Gründen Sie Buddy Systems mit festen Ansprechpartnern für den jeweils Angehörigen der anderen Generation und offene Arbeitsplätze, die nicht isolieren, sondern alle miteinbinden.
  • Informieren Sie sich über sogenannte Reverse Coachings bzw. -Mentorings mit dem Ziel, bestmöglich voneinander zu lernen, Ältere zur Akzeptanz und Nutzung von Social Media und digital tools hinzuführen und Jüngere zur Aneignung und Aufrechterhaltung von Fachwissen und Know-how der Älteren zu motivieren.
  • Lassen Sie Flexibilität für individuelle Bedürfnisse zu und machen Sie Ihre Mitarbeitenden zu Mitgestalter:innen in Ihrem daily business.

Verantwortliche aus Geschäftsführung und HR, welche die besonderen Vorteile des Generationenmix erkannt und Generationenmanagement zur Leitungsaufgabe gemacht haben, definieren sich dadurch, dass sie Menschen führen und zusammenführen, Talente erkennen und diese entfalten lassen. Bei Jung und Alt. Es sind die Chefs, die keine Bosse sind, sondern echte Leader.

Sie möchten weitere Infos zum Thema Generationenaustausch erhalten? Schauen Sie sich gerne unser Interview "Gen Z vs. Boomer" mit Ruth Schulz-Wiemann und Vanessa Hampe an.