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Markenerlebnis: Die Bedeutung der Brand Experience für Unternehmen

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Markenerlebnis: Die Bedeutung der Brand Experience für Unternehmen

Ein starkes Markenerlebnis entscheidet heute oft mehr über Wachstum als die nächste Kampagne. Nicht, weil Werbung unwichtig wäre, sondern weil Kunden Marken als Summe ihrer Erfahrungen bewerten: über Berührungspunkte, Interaktionen, Erwartungen, Enttäuschungen und Bestätigung.

Das ist besonders für mittelständische
Unternehmen und Familienunternehmen relevant: Produkte sind häufig vergleichbar, Dienstleistungen auch. Differenzierung entsteht nicht über Features, sondern über Wahrnehmung, Emotionen, Konsistenz und Vertrauen – also über Brand Experience.

In diesem Beitrag klären wir die
Definition, zeigen, woraus eine Brand Experience besteht, wo sie entsteht (Customer Journey, Kanäle), warum digitale Touchpoints eigene Regeln haben und wie man Markenerlebnisse strategisch gestaltet statt sie dem Zufall zu überlassen.

Inhaltsverzeichnis
  • Markenerlebnis: Die Definition von Brand Experience
  • Warum das Markenerlebnis für Unternehmen entscheidend ist
  • Woraus besteht eine Brand Experience?
  • Wo Markenerlebnisse entstehen: Berührungspunkte entlang der Customer Journey
  • Digital Brand Experience: Besonderheiten des Markenerlebnisses im digitalen Raum
  • Konsistenz als Voraussetzung für ein starkes Markenerlebnis
  • Markenerlebnis strategisch gestalten: So geht’s
  • Fazit: Brand Experience als langfristiger Erfolgsfaktor

 

Das Wichtigste in Kürze


  • Markenerlebnis / Brand Experience ist die subjektive Gesamterfahrung, die durch markenbezogene Reize und Touchpoints entsteht – nicht nur durch Kommunikation.
  • Ein konsistentes Markenerlebnis stärkt Vertrauen, Kundenbindung, Loyalität und Markentreue – und wirkt langfristiger als kurzfristige Maßnahmen.
  • Digital Brand Experience folgt eigenen Regeln: Usability, Interaktion, Geschwindigkeit und Erwartungshaltung beeinflussen die Markenwahrnehmung massiv.
  • Steuerbar wird Brand Experience erst über Strategie, Klarheit, Mitarbeitende und konsequente Umsetzung über alle Berührungspunkte hinweg.

Markenerlebnis: Die Definition von Brand Experience

Mit Markenerlebnis ist die subjektive Markenerfahrung gemeint, die Menschen an allen Berührungspunkten mit einer Marke machen. Ein Markenerlebnis ist damit die Gesamtheit der Eindrücke, die im Kontakt mit einer Marke entstehen. Nicht als einzelner Moment. Es ist die Summe vieler kleiner und großer Erlebnisse über Zeit, Situationen und Kanäle hinweg.

Der Begriff Brand Experience wird in der Praxis meist synonym zu Markenerlebnis verwendet. Gemeint ist aber nicht „was die Marke behauptet“. Gemeint ist „was sie beim Menschen auslöst“.
Entscheidend ist dabei also die Perspektive: Ein Markenerlebnis entsteht aus Kundensicht. Nicht aus Unternehmenssicht.

Wichtig ist auch die Abgrenzung. Markenerlebnis ist nicht identisch mit Markenimage.
Ein
Image ist ein relativ stabiles Bild im Kopf. Ein Markenerlebnis ist hingegen der Weg dorthin bzw. die wiederholt erlebte Erfahrung. Und ein Markenerlebnis ist auch nicht gleich Brand Awareness: Bekanntheit ist die Voraussetzung für Kontakt, aber noch keine Qualität des Kontakts. Wer jetzt denkt, dazu möchte ich noch mehr wissen, der kann sich zu Brand Awareness weiter aufschlauen.

Was wir uns merken sollten, ist: Brand Awareness sorgt für Sichtbarkeit. Brand Experience entscheidet, ob diese Sichtbarkeit auch wirkt.


Warum das Markenerlebnis für Unternehmen entscheidend ist

Markenerlebnisse sind ein Wertetreiber. Warum das so ist? Weil sie Verhalten beeinflussen: Kauf, Wiederkauf, Empfehlung, Verzeihen. Nicht in jedem Einzelfall messbar wie ein Klick, aber über die Zeit deutlich im Ergebnis. Erfolgreiche Marken können das aus Erfahrung bestätigen.

Ein konsistentes Markenerlebnis schafft Verlässlichkeit. Verlässlichkeit wird zu Vertrauen (die wichtigste Währung überhaupt). Vertrauen reduziert wahrgenommenes Risiko und das ist in vielen Kategorien der Kern der Entscheidung. Genau hier entsteht der Zusammenhang zu Kundenbindung, Loyalität und Markentreue. Brand Trust und Markenbindung sind deshalb nicht einfach nur lapidaresoft factors. Sie sind das Ergebnis sauberer, konsistenter Erfahrungen.

Zweitens wirkt ein Markenerlebnis als Differenzierungsfaktor. Wenn Wettbewerber ähnliche Produkte und vergleichbare Dienstleistungen anbieten, entscheidet nicht nur, was angeboten wird, sondern WIE es sich anfühlt, mit dem Unternehmen zu arbeiten. Das ist besonders im Mittelstand relevant, wo Beziehungen, Servicequalität und Verlässlichkeit oft stärker zählen als vieles andere.

Drittens hat Brand Experience eine andere Zeithorizont-Logik als eine punktuelle Kampagne. Kampagnen sind von temporärer Natur. Markenerlebnisse addieren sich. Wer langfristig Wirkung will, muss langfristig Konsistenz herstellen – statt kurzfristig Aufmerksamkeit zu generieren.

Gerade je nach Zielgruppe wirken unterschiedliche Touchpoints als stärkste Treiber der Markenwahrnehmung. In B2B-Kontexten prägen häufig Beratung, Verlässlichkeit und Umsetzung das Erlebnis. Im Endkundengeschäft sind es oft Einfachheit, Geschwindigkeit und Servicequalität. Das Prinzip bleibt gleich: Die Marke wird über Erfahrung bewertet.

Für Familienunternehmen ist das nochmals relevanter: Herkunft, Geschichte und Werte bilden die Substanz. Aber sie werden erst dann wirksam, wenn sie entlang der Berührungspunkte tatsächlich erlebbar werden. Sonst bleiben sie Behauptung.


Woraus besteht eine Brand Experience?

Brand Experience lässt sich in Bestandteile zerlegen. Damit Markenerlebnisse nicht nur beschrieben, sondern gestaltet werden können.

Emotional
Welche Gefühle löst die Marke aus? Sicherheit, Entlastung, Freude, Stolz, Zugehörigkeit. Gerade diese Ebene entscheidet häufig darüber, ob Menschen wiederkommen, empfehlen oder bleiben.

Funktional
Wie gut funktioniert das Angebot im Alltag? Qualität, Zuverlässigkeit, Performance, Verständlichkeit und „läuft einfach“ sind harte Bestandteile der Markenwahrnehmung – auch dann, wenn sie nicht als „Marke“ bezeichnet werden.

Kommunikativ
Wie spricht die Marke? Sind Botschaften klar, verständlich und konsistent? Tonalität, Sprache und Erwartungsmanagement prägen das Erlebnis massiv, besonders bei Angebot, Onboarding, Service, Reklamation.

Kulturell
Wie verhalten sich Menschen im Unternehmen? Passt der Umgang in Vertrieb, Service und Zusammenarbeit zu den Werten, die nach außen kommuniziert werden? In vielen Branchen ist Kultur der stärkste Beweis für Markenversprechen.

Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, braucht es eine klare Markenidentität als Orientierungsrahmen, sprich: eine sauber definierte Brand Identity, die für Wiedererkennbarkeit und Konsistenz über alle Berührungspunkte hinweg sorgt. Sowie klare Markenwerte und Brand Values, um das Markenverhalten im Alltag prüfbar und steuerbar zu machen.

Wir merken uns: Markenerlebnisse sind mehr als einzelne Eindrücke. Ein guter Touchpoint neutralisiert einen schlechten nicht automatisch. Ein einziger Bruch kann das Gesamterlebnis kippen, weil Menschen negative Erfahrungen stärker erinnern.
 

Wo Markenerlebnisse entstehen: Berührungspunkte entlang der Customer Journey

Berührungspunkte sind die Momente, in denen Kunden mit Marke, Produkt oder Unternehmen in Kontakt kommen. Entlang der Customer Journey sind das neben Kaufmomenten auch die Recherche, die Nutzung, der Service, die Reklamation, die Community und Empfehlungen.

Praktisch hilft es, Berührungspunkte entlang typischer Phasen zu denken:
Vor dem Kauf (Orientierung), beim Kauf (Entscheidung), nach dem Kauf (Erfahrung).
Je nachdem, wie euer Geschäft funktioniert, sind einzelne Phasen besonders prägend. Im B2B ist oft der Übergang von Erstkontakt zu Angebot kritisch. Im Dienstleistungsbereich ist es häufig der Moment, in dem ein Problem gelöst werden muss. Im E-Commerce sind es Prozesse und Lieferung.

Der Hebel liegt im Zusammenspiel von Online und Offline. Gerade im Mittelstand existiert das parallel: Website plus persönlicher Vertrieb, digitale Anfragen plus telefonische Beratung, Messe plus Social Media. Genau deshalb entstehen Markenerlebnisse oft im Wechselspiel, nicht nur an einem Touchpoint.

Und hier liegt auch das Risiko: Ein Markenerlebnis ist nur so stark wie der schwächste Berührungspunkt. Ein negativer Servicekontakt kann Monate guter Kommunikation zerstören. Ein schlechter digitaler Prozess kann die beste Beratung entwerten.

Digital Brand Experience: Besonderheiten des Markenerlebnisses im digitalen Raum

Digital Brand Experience ist das Markenerlebnis über digitale Touchpoints: Website, Portal, App, Social, Mailings, Chat, Self-Service. Im Digitalen gelten eigene Regeln, weil der Raum schneller, transparenter und weniger verzeihend ist.

Entscheidend sind vier Faktoren: Usability, Interaktion, Geschwindigkeit und Erwartungshaltung. Digital wird „reibungsfrei“ erwartet. Wenn Prozesse haken, Informationen schwer auffindbar sind oder Interaktionen sich unklar anfühlen, wirkt das nicht wie ein kleines UX-Problem. Es wirkt, als hätte die Marke ein Problem.

Für mittelständische Unternehmen ist das besonders relevant, weil digitale Touchpoints oft der erste Kontakt s
ind. Wer hier nicht abliefert, verliert nicht nur Leads, er verliert die Chance auf eine positive Markenerfahrung. Und damit auch die Grundlage für digitale Kundenbindung.

Konsistenz als Voraussetzung für ein starkes Markenerlebnis

Ein Markenerlebnis wirkt nur, wenn es konsistent ist. Konsistenz bedeutet: Die Marke klingt gleich, sieht gleich aus und verhält sich gleich. Unabhängig von Kanal, Team oder Situation.

Warum das so entscheidend ist? Menschen bewerten Marken wie Muster. Wenn ein Muster bricht, entsteht Unsicherheit. Unsicherheit senkt das Vertrauen. Und Vertrauen ist die Grundlage für Bindung und Loyalität. Logisch, oder?

Typische Risiken inkonsistenter Auftritte: unterschiedliche Tonalitäten zwischen Website und Vertrieb, unterschiedliche Versprechen zwischen Kampagne und Service, unterschiedliche Qualitätsniveaus zwischen digitalen und analogen Touchpoints, Widersprüche zwischen Werten und Verhalten.

Kanalübergreifende Einheitlichkeit heißt nicht Gleichmacherei. Es heißt: ein stabiler Kern, der sich in unterschiedlichen Formaten wiedererkennbar ausdrückt. Markenführung ist genau das verbindende Element, das Konsistenz in der Praxis ermöglicht.


In 4 Schritten Markenerlebnis gestalten

Markenerlebnisse sind steuerbar. Aber nur, wenn Unternehmen Brand Experience als strategische Aufgabe verstehen und nicht als Nebenprodukt von Kommunikation.

1. Der Startpunkt ist Klarheit. Ohne klare Positionierung und belastbare Markenstrategie bleibt jedes Markenerlebnis zufällig. Eine sauber herausgearbeitete Markenpositionierung und eine konsequent entwickelte Markenstrategie schaffen dafür die notwendige Leitplanke.

2. Der zweite Schritt ist Fokus. Unternehmen müssen Berührungspunkte erfassen und priorisieren. Nicht jeder Touchpoint ist gleich wichtig. Oft ist weniger mehr. Steuerung entsteht über Prioritäten, nicht über Vollständigkeit. Entscheidend ist, die Touchpoints zu identifizieren, die den stärksten Einfluss auf Vertrauen, Entscheidungsverhalten und Loyalität haben.

3. Drittens braucht es ein konkretes Soll-Bild: Wie soll sich die Marke anfühlen? Nicht abstrakt, sondern operationalisierbar. Nicht „innovativ“, sondern „klar“, „hilfreich“, „verlässlich“, „schnell verständlich“. Der strukturelle Vorteil liegt in der Schaffung eines konsistenten Soll-Bilds, das Entscheidungen über Teams und Kanäle hinweg erleichtert.

4. Viertens muss interne Klarheit entstehen. Markenerlebnis entsteht digital und analog. Durch Tools, Plattformen und persönliche Kontakte. Mitarbeitende sind Markenbotschafter – bewusst oder unbewusst. Wer Brand Experience ernst nimmt, muss Rollen, Standards und Verantwortlichkeiten definieren, damit Verhalten nicht vom Zufall abhängt.

Am Ende zählt Umsetzung. Startet mit den priorisierten Touchpoints, verbessert iterativ, schafft Standards für Tonalität, Service und digitale Interaktion. Das Ziel ist nicht Perfektion, sondern konsequente Verbesserung – damit Markenerfahrung nicht „passiert“, sondern geplant entsteht.

Fazit: Brand Experience als langfristiger Erfolgsfaktor

Ein starkes Markenerlebnis ist ein strategischer Erfolgsfaktor. Es entsteht aus vielen Berührungspunkten, ist subjektiv in der Wahrnehmung der Kundinnen und Kunden und wirkt vor allem dann, wenn die Marke über Kanäle, Teams und Situationen hinweg konsistent handelt.

Für Unternehmen bedeutet das: Brand Experience ist steuerbar. Mit Klarheit, Strategie und konsequenter Umsetzung. Wer das ernst nimmt, baut Vertrauen auf, stärkt Kundenbindung und Loyalität. Und schafft Differenzierung in Märkten, die sich zunehmend angleichen.

In der Praxis wird Brand Experience wirksam, wenn Analyse, Positionierung und Umsetzung entlang der wichtigsten Touchpoints zusammengeführt werden. Idealerweise in einem klar strukturierten Prozess. Als Agentur unterstützen wir Unternehmen dabei, diesen Prozess aufzusetzen, zu gestalten und von der Einordnung bis zur Definition der Touchpoints, konsequent umzusetzen.

 

GEDANKENAUSTAUSCH MIT MARIA SIBYLLA KALVERKÄMPER

 

Gender-Disclaimer:

Vielfalt first: Jede Person ist einzigartig. Wir schreiben kurz, klar und bunt – weil’s ums Wesentliche geht. Die maskuline Form dient der Lesbarkeit und ist keine Bewertung. Es lebe der Unterschied!

 

Lutz Vogel

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