18.3.2019

Bist du des Wahnsinns? Oder was es heißt, ein Fettbeuter zu sein

Von Jan Pichol

Bist du des Wahnsinns? Oder was es heißt, ein Fettbeuter zu sein

Hallo ihr Neugierigen, moin meine sehr geehrten interessierten Menschen. Mein Name ist Jan Pichol und ich erzähle euch heute dreierlei: Erstens, stell ich mich kurz vor, dann komme ich zu meiner Definition des ganz normalen Wahn-sinnes und schließlich lande ich bei meiner Anstellung bei Des Wahnsinns Fette Beute.

Es beginnt mit meiner Retrospektive und geht langsam über zur kleinen Portion Wahnsinn, um euch eine Vorstellung davon zu geben, wer euch mit diesen Zeilen in seinen Kopf lässt. 

Neuanfänge sind so verdammt spannend

Bis zum heutigen Zeitpunkt ist nicht eine Entscheidung in meinem Leben auf einer Geraden, auch „klassische Karriere“ genannt, verlaufen. Ich war oft damit beschäftigt, meinen Gefühlen zu folgen und neue Wege zu gehen. Meine Freunde meckern, ich sei der “Herr der Umwege”. Worauf auch immer ich mich eingelassen habe, ich habe es mit einer Arschbombe ins kalte Wasser getan. Ganz oder gar nicht. Bis zum Abitur haben meine Eltern sich noch keine Sorgen machen müssen. Danach habe ich mir mit allerlei Experimenten in der Lebensplanung ihre Panik redlich verdient. 2011 - ich war 19 Jahre alt - bekam ich am selben Wochenende über einen Studiumsplatz Bescheid, an dem auch die Bewerbungsfrist ablief. Ich hörte auf meinen Bauch und schrieb mich via Eilpost gerade rechtzeitig ein. Ein Design-Studium also!? Raus aus Recklinghausen, weg von meinem Zuhause, andere Erfahrungen machen! Neue Abenteuer, kreative Menschen warteten auf mich. Im Studium an der Hochschule Niederrhein mit der Auslegung Produktdesign machte ich mir sofort die Hände schmutzig. Ein gutes Gefühl. Ohne elterliche Aufsicht strandete ich in Krefeld und spielte das erste Mal nach eigenen Regeln. Und Ich spielte verdammt viel. Ich spielte mit im Asta, im Stupa, ich spielte den Erstsemestertutoren und den Fachschaftsvorstand Nullzwo. In Kursen, die nicht zu meiner Produktdesign-Auslegung passten, verbrachte ich besonders viel Zeit. Ein positiver Nebeneffekt vom vielen Machen war, mehr zu lernen als ich eigentlich musste.

Nach 14 Semestern mit dem Lebensinhalt “Luft und Liebe”, sowie unzähligen Gelegenheitsjobs, gab es immer mehr sich wiederholende Schleifen (Viva „Täglich grüßt das Murmeltier“) und beinahe nichts mehr, was ich an der Uni noch nicht ausprobiert hatte. Ich war ein voller Schwamm und konnte nichts Neues mehr aufsaugen. Mir wurde etwas schwindelig und ich wollte das Gewässer wechseln, kurz gesagt: Ich war gesättigt... bereit, um einen ordentlichen Cut mit meiner Bachelorthesis „Kommunikation im Sinneswandel der Digitalisierung“ zu ziehen. Das Happy End hatten meine Eltern nicht kommen sehen. Prost auf den Abschluss; die Zeit war reif für einen neuen Lebensabschnitt…
Jetzt ist es Freitag, vier Monate nach meinem Bachelor und ich sitze wippend auf einem blauen XXL Gymnastikball im Konzeptionsabteil, an Bord der “fetten Beute”. Tasten klackern im Takt vom Song „Nas - I Can“.

Ich stelle mir Fragen, und da niemand in der Nähe ist, rede ich laut zu mir selbst.

Bin ich wahnsinnig?

Riskieren wir einen kurzen Blick auf meine selbstgestellte Diagnose. Die Antwort ist: Ich bin super “neu-gierig” und ein ADHS-Riese, der zu unerschöpflichem Optimismus neigt. Eine gesunde Einstellung zu Grenzen und Struktur sollte ich noch entwickeln. Aufgrund von akutem Größenwahn und 2 Metern Köpergröße kriege ich auch das in den Griff. Ihr merkt, es fällt der Begriff „Wahn“. Von mir wisst ihr mittlerweile, dass ich kein Normalfall bin. Zu groß, zu schwer, zu laut... und das ist auch gut so. Ehrlich gesagt, sind wir eh alle verrückt. Manche wissen darum, was sympathisch ist und andere blenden diesen Teil von sich aus. Mir sind Menschen mit Macken immer schon lieber gewesen als glattgeleckte Oberflächlichkeitsbewohner. Wahnsinn zu leben, heißt für mich, sich von Zwängen, Scham und Ängsten lösen zu können.

Wenn es also heißt, was du planst, ist irre, läuft meine linke Gehirnhälfte bereits heiß, denkt: Wie lässt sich das Ganze möglichst kreativ und spaßig umsetzen?! Der zweite Gedanke - so weit komme ich selten - ist die Anzahl an Personen, die es bereits gemacht und überlebt hat. Man möchte ja keinem Trend hinterherlaufen oder draufgehen. Es ergibt sich folgende Struktur: neu gedacht, schnell kommuniziert, fertig gemacht. Im Gegensatz zur psychischen Erkrankung ist Wahnsinn für mich ein positiver, Grenzen aufbrechender Zustand, aus dem ich Kreativität und Möglichkeiten schöpfe, um Dinge neu zu denken und Probleme zu lösen; es einfach mal anders angehen. Es bleibt ein Geschenk an die Mutigen.

Wie bin ich hier gelandet? Wie wurde ich zu Plettman*?

Ohne die leiseste Ahnung davon zu haben, wie ich in einer Bewerbung mein bisheriges Leben auf eine DIN-A 4 Seite quetsche, prokrastinierte ich und baute ein Profil bei Xing. Erwachsene tun sowas neuerdings. Es ist ein großes Karrierethema; fragt bei Gelegenheit mal Dennis, der ist Profi. Xing erinnert ein bisschen an Facebook für Unternehmer mit ernsten Bindungsabsichten. Zwei Wochen später schrieb ein gewisser Jörg Hesse: „Sie suchen. Wir bieten (inklusive seiner Handynummer).“ Ich rief sofort an und zack... ich hatte ein Angebot von DES WAHNSINNS FETTE BEUTE. Auf der Homepage standen drei Glaubenssätze zur Auswahl und mit diesem einen hier war mein Schicksal besiegelt: Der Grad des Wahnsinns definiert den Freiraum des Denkens.“

Ich war verknallt…

Wie zu Beginn einer jeden Beziehung, lief es nach dem klassischen Lovestory-Muster: Wir fingen an, uns zu treffen, stellten einander vor, wussten nicht so recht, mit wem wir es zu tun hatten. Aber... und das ist die Hauptsache - es fühlte sich richtig an. Hier ein paar Mails, da ein schüchternes Telefonat und ich war in der näheren Auswahl. Plötzlich ging alles irre schnell und ehe ich mich versah, hieß es … am nächsten Mittwoch Probearbeiten. „Hallo Jan, du machst heute den letzten Feinschliff an einer Keynote. Um 10 Uhr ist Meeting und, bevor ich es vergesse, morgen Mittag soll das alles stehen!“

Schock. Dramatische Pause - Atmen nicht vergessen. Ein und Aus. Ein und Aus. Ein kurzes Nachdenken. Auf die berechtigte Antwort, mir würde dazu das nötige Werkzeug (Adobe-Krake, inklusive Keynote) fehlen, hieß es, ich solle stattdessen eine PowerPoint machen. Kein Problem.

Ja bist du denn des Wahnsinns fette Beute?

Vielleicht wäre es an dieser Stelle wichtig gewesen, zu sagen, dass ich seit neun Jahren kein PowerPoint mehr benutzt habe. Und ganz bestimmt wäre es angebracht gewesen, zu sagen, dass ich noch nie in meinem Leben Keynote benutzt habe. Habe ich aber nicht! Ich habe mit meinen jetzigen Kolleg*innen losgelegt, nicht gezweifelt, sondern habe Hilfe bei ihnen geholt - Informationen, Visuals und alles, was bereits erarbeitet worden war. Mit Lutz und Julia, Hanna, Sandra, Katja, Schmidti haben wir das Wahnwitzige möglich gemacht. Kampagnenpräsentation in nur wenigen Tagen, check. Und ich mit zwei Probearbeitstagen dabei. Und um diese wahnsinnige Geschichte fortzusetzen, bin ich im Anschluss direkt zum Kickoff in Frankfurt eingeladen worden. Das war eigentlich so nicht geplant. Sofort holte ich Ratschläge ein. Was soll ich tun? Stimmen im Freundeskreis wurden laut, die sagten, benimm dich nicht daneben und mach nicht den JAN. Auch meine Mama hatte einen sehr vernünftigen Rat für mich:

„Ist das sowas wie eine Weihnachtsfeier… Gut, du trinkst nicht einen Tropfen Alkohol…!“

Was soll ich sagen?! Mit Vorsicht und Zurückhaltung wäre ich eventuell nicht hier.

Hätte ich mich verstellt, wären all die folgenden Ereignisse nicht passiert, wie sie es sind:

Keine „Kannst du es spüren?“ Gedanken für einen DWFB-Imagefilm (Danke Sibylla, Stefan, Caro, Jens und Lisa), kein Neulings-Strumpfhosentanz mit asiatischen Paparazzi in einer Kellerschenke (Grüße an Jessica, Franzi, Lisa und Lisa, Sandra und Theresa). Kein Pogen mit dem Chef zum Song von „The Prodigy- Firestarter“(Danke Jörg, Simon und Jens).

Kein Blitzer auf der Rückfahrt mit dem Bulli am nächsten Tag.

Wenn ich nicht so bescheuert gewesen wäre, auf den letzten Metern bei einem Automatikschaltbus die Kupplung zu treten,tja vielleicht hätte Sandra innerhalb geschlossener Fahrzeuge weiterschlafen können und auch keine blauen Flecken gehabt… wer weiß? Ich habe mein Bestes gegeben, das haben und tun alle hier, jeden Tag. Und ich würde mir diesen Wahnsinn jederzeit geben. Ich werde es wieder tun. Das ist eine Drohung und mein Versprechen an alle, die sich “Fettbeuter” schimpfen. Ihr seid der H, Ah, Doppel-M, E, R. Und der Wahnsinn hat gerade erst begonnen.

Fin

Das heißt es, ein Fettbeuter zu sein!

Liebe und Harmonie, Jan Pichol. Ein frischer Fettbeuter.

*Weil alles so irrsinnig schnell ging, wohne ich gerade in einer WG mit dem Vater einer Kommilitonin in Plettenberg!

WAHNSINNIGE JOBS

Themen: Employer Branding, Agenturleben