11.10.2017

Kinowerbung: Kosten für regionale Filmtheater

Von Roland Fechter
Projektentwicklung Film

Kinowerbung: Kosten für regionale Filmtheater

Sie kennen das? Man betritt das Kino, kauft die Tickets, stellt sich an der (häufig recht langen) Schlange am Popcorn-Stand an. Man kauft noch Nachos, Eis, Softdrinks und begibt sich dann in froher Erwartung in den jeweiligen Kinosaal. Die Stufen hinauf, den weichen Teppich unter den Füßen, aufmerksam nach dem eigenen Platz Ausschau haltend.

Einmal angekommen macht man es sich dann gemütlich und es kann losgehen!

Warum macht man das?

Aber warum? Warum kauft man z.B. teures Popcorn für so viel Geld?

Ein Artikel der, in den heimischen vier Wänden hergestellt, allerhöchstens einen Bruchteil der Kosten verschlingt, die ein Kino dafür verlangt. Oder warum meint man, unabhängig von der Jahreszeit, Eis während des Films essen zu müssen?

Sicher spielt hier viel Nostalgie mit.

Der Geruch des Kinos, irgendwo zwischen Teppich, Popcorn-Maschine und Holz. Die gedämpfte Akustik, das behagliche Licht.

Aber vor allem auch eines: Zeit.

Hier hat man nämlich Zeit dazu, Dinge zu tun, die man zu Hause ja doch nicht macht. Man weiß, ein schöner Abend wartet, es ist klar, dass etwas Gutes kommt.

Und dann nimmt man sich die Zeit, Schlange zu stehen, ein Eis zu genießen (Rauchen darf man ja schon lange nicht mehr...) oder die Werbung vor dem Film zu schauen.

Genau. Im Kino schaut man die Werbung noch an!

Man kann schließlich nicht wegschalten und befindet sich bereits eingekuschelt im Kino-Sitz. Getränke und Speisen sind auch vorhanden, das Licht bereits aus. Anders als zu Hause ist der Beginn der Werbung gleichzusetzen mit dem Beginn des Erlebnisses. Anders als zu Hause gehe ich hier nicht noch einmal zur Waschmaschine, bringe den Müll raus oder räume noch schnell den Zettelberg vom Schreibtisch weg. Im Kino bin ich ganz beim Bild.

Was sicher auch an der schieren Größe und der berauschenden Akustik eines modernen Kinos liegt. Nirgendwo sonst sind Bild und Ton so prägnant im Vordergrund wie hier. Egal, wie imposant die Heimkino-Anlage zu Hause auch sein mag, hier ist wirklich alles auf das audiovisuelle Erlebnis ausgerichtet. Die Aufmerksamkeit des Betrachters ist nahezu nirgendwo so gut gelenkt. Nichts lenkt ab. Die Leinwand ist das Ereignis.

Springen wir nun mal im Geiste vom Kinosessel auf und setzen uns auf den Schreibtisch-Stuhl des Marketing-Wirkenden, der sich mit Kinowerbung befasst:

Die ersten Gedanken sind dann häufig:

„Selig sind die, die dort Werbung schalten können...! Hätte ich doch mal so ein Budget“

oder:

„Okay...die drei Leute, die noch ins Kino gehen, sehen das dann, und?!“.

Beide spontanen Reaktionen sind nachvollziehbar. Wenngleich nicht ganz richtig.

Der aufmerksame Kinogänger hat längst festgestellt:

Auch dem asiatischen Imbiss „um die Ecke“ gelingt es anscheinend, genug Budget aufzuwenden, um hier wirksam Werbung schalten zu können.

Wenngleich es mit der Ansammlung von Standbildern, die hier allzu oft von kleinen Unternehmen verwendet wird, nicht getan ist. Aber mit ein wenig Aufwand kann man hier auch ganz andere Dinge zu Tage bringen.

Aber so oder so gilt definitiv: Man ist im Kino zu sehen!

Und das allein verleiht einem Unternehmen schon pauschal eine gewisse Größe. In eine Reihe mit Langnese, BMW, der deutschen Bahn oder anderen Werberiesen gestellt, gewinnt das eigene Unternehmen plötzlich stark Ausdrucks- und Strahlkraft. Wenn jetzt noch ein gut gemachter Spot zur Verfügung steht, ist eine wohlwollende Akzeptanz und eine dauerhafte Prägung beim Kinopublikum gewiss. Auch die verhältnismäßig geringe Anzahl an Spots fällt hier positiv ins Gewicht. Ist die Anzahl der Fische im Aquarium gering, fällt der einzelne Fisch deutlich mehr auf. Da wird auch ein kleiner Fisch richtig interessant!

Nun zur Gretchenfrage: Was kostet das (und wen erreiche ich damit?)?

Ein kleines Gedankenspiel:

Wir befinden uns in Lüdenscheid, an der Schwelle zwischen Sauerland und Ruhrgebiet. Das Sauerland stellt einen wahren Pool an Hidden Champions, das Ruhrgebiet schlichtweg einen der größten Ballungsräume Europas dar.

Wir schalten also einen Recruiting-Clip, der unserem Unternehmen junge, dynamische, hochqualifizierte, flexible und tatkräftige Mitarbeiter bescheren soll.

Die Länge des Spots beträgt 30 Sekunden (was zur Aussage über das eigene Unternehmen und zur Darbringung des Anliegens mehr als genügt). Im Kino möchte Niemand etwas über Hochregallager, Logistik oder CNC-Bearbeitung sehen. Hier zählen kurze, witzige oder emotionale Clips. Die brauchen in der Regel nur eine gute Idee und sind dann auch schnell und kostengünstig umzusetzen. Aber wie man das macht, wäre hier etwas zu weit ausgeholt. Wir nehmen mal an, es gibt bereits einen knackigen 30- Sekunden-Clip, der die Anforderungen mit Bravour erfüllt und einfach nett anzuschauen ist. Eben etwas, das „hängen bleibt“, wie man so schön sagt.

Wir bespielen also parallel 2 Kinos im Raum Lüdenscheid, sind also in 9 Sälen gleichzeitig zu sehen. Das Ganze machen wir für 2 Monate.

Somit erreichen wir sage und schreibe ca. 11.900 aufmerksame (!) Kontakte. Nachweisbar. Denn die haben ja ein Kinoticket gekauft und sich freiwillig den dortigen Begebenheiten (s.o.) unterworfen.

Der Kostenpunkt für unsere kleine Akquise Aktion liegt nun bei überraschend günstigen 2753,82€ (Quelle: crossvertise). Das macht 0,23€ pro Kontakt.

Warum sind die Kosten der Kinowerbung nun so gering?

Wo doch Kinowerbung seit jeher als teuer verschrien galt?

Die Antwort auf diese Frage gibt uns einmal mehr die Digitalisierung. War es früher noch notwendig, gedrehte Filme auf teure 16- bzw. 35mm-Filmrollen hochzukopieren, so ist es nun denkbar einfach, die eigenen Bilder anderen aufs Auge zu drücken. Heutige Kinos laufen (nahezu ohne Ausnahme) über digitale Projektor-Technik. Niemand muss hier mehr eine Filmrolle einlegen, der Filmvorführer ist als Beruf auf dem absteigenden Ast.

Ungeahnte Möglichkeiten für mittelständische Unternehmen

Was ein wenig wehmütig klingt, eröffnet mittelständischen Unternehmen jedoch ungeahnte Möglichkeiten. Man befördert seinen Film per USB-Stick, Upload, Festplatte o.ä. zum Kino. Dieser landet auf dem lokalen Server des Betreibers und kann fortan ganz ohne komplizierte Handhabe in allen Sälen wiedergegeben werden.

Und das Kino als Medium ist, allen Unkenrufen zum Trotz, wieder im Kommen. Mit 3D- Filmen und neuester Audio-Technik begeistern Kinos nach wie vor ihr Publikum. Nie wurden mehr neue Filme in immer kürzeren Intervallen produziert, nie waren Budgets bei Blockbustern größer und die Aufmerksamkeit gegenüber den Stars höher. Ein Superlativ, in dessen Fahrwasser man prima mitschwimmen kann. Auch ohne eigenen Blockbuster. Denn so routiniert und zahlreich Hollywood neue Filme auf den Markt bringt, so sehr ist man als mittelständisches Unternehmen noch Pionier auf dem Kinomarkt und fällt allein deshalb schon auf.

Eigene Homepage, Broschüren, Facebook, LinkedIn... die gehören längst zum Standard auf der Klaviatur der Unternehmenskommunikation. Wer also auf Kino setzt, ist noch immer ein Stück weit Pionier und fällt auf. Was man ansonsten nur noch von den wenigsten Vertriebsaktivitäten behaupten kann...

So fragen Sie mich jetzt:

„Warum machen das also nicht viel mehr Unternehmen? Das klingt doch nach einer guten Sache!“

Gegenfrage:

Haben Sie schon einen Spot im Regionalkino laufen?

Nicht?

Warum nochmal?

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Themen: Film